Lösungsansätze

Weltweit werden sowohl in universitären wie auch in privatwirtschaftlichen Forschungseinrichtungen unterschiedliche Analyseverfahren erforscht, um das Kükentöten mittels einer Geschlechtsbestimmung im Brutei zu umgehen.

Grundsätzlich kann zwischen drei verschiedenen Methoden unterschieden werden: der Bruderhahnmast, dem Zweinutzungshuhn und der Geschlechtsbestimmung im Brutei. Die Bruderhahnmast und das Zweinutzungshuhn werden bereits in gewissen Umfängen praktiziert, d. h., von diesen Haltungsformen können bereits Eier in deutschen Supermärkten gekauft werden. Bei der Geschlechtsbestimmung im Brutei liefern wir den ersten praxisreifen Lösungsansatz.

Grundsätzlich wäre eine wirtschaftliche Zweinutzungsrasse mit einer guten Legeleistung und einer guten Mastleistung ein optimales Verfahren. Das konnte in der Zucht bis heute allerdings noch nicht hinreichend realisiert werden. Darum besteht die beste Alternative aktuell darin, das Geschlecht bereits im Brutei zu bestimmen – lange vor dem Schlupftermin. Infolgedessen werden die männlichen Bruteier frühzeitig aussortiert und somit nicht mehr ausgebrütet. Nach 21 Bruttagen schlüpfen dann nur noch weibliche Küken aus den Eiern

Da das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Bruteiern ca. 50:50 beträgt, werden die männlichen Bruteier im Brutschrank frühzeitig aussortiert. Somit werden Energiekosten gespart und der Arbeitsablauf innerhalb der Brütereien vereinfacht, da nach dem Schlupf der weiblichen Küken kein manuelles Aussortieren und Töten der männlichen Küken erforderlich ist. Die aussortierten männlichen Bruteier können dann z. B. zu einem hochwertigen Futtermittel verarbeitet werden und erhalten dadurch einen wirtschaftlichen Mehrwert.

85 Tage

Hahn der Legerasse
 

60 Tage

Hahn der
Zwei-Nutzungsrasse

35 Tage

klassischer Broiler
 

Die Grafik demonstriert den Unterschied zwischen den verschiedenen Rassen. Ein Bruderhahn, d. h. der Hahn einer klassischen Legerasse, muss ca. 85 Tage gemästet werden, um ein Lebendgewicht von ca. 1,5 kg zu erreichen.

Beim Zweinutzungshuhn wird der Hahn ca. 60 Tage lang gemästet. Er erreicht dann ein Gewicht von ca. 1,8 kg. Seine Futterverwertung ist besser als bei den Hähnen der Legerassen.

Im letzten Bild wird ein klassisches Hähnchen, also ein Broiler, gezeigt. Diese werden ca. 35 Tage gemästet und erreichen ein Gewicht von ca. 2 kg.

Es zeigt sich, dass die Hähne der Legerassen sehr ineffizient Fleisch produzieren. Die hierdurch entstehenden höheren Mastkosten können nicht im Rahmen der Fleischvermarktung gedeckt werden, sodass diese Mehrkosten den Schaleneiern der Schwesterhenne angelastet werden. Der Kunde bezahlt ca. 2,5 bis 3 Cent mehr für ein Schalenei, weil der Bruder gemästet wurde.

Beim Zweinutzungshuhn ist die Legeleistung des Huhns geringer als bei vergleichbaren Legerassen. Ergänzend hierzu ist auch die Mastleistung der Hähne ineffizienter als bei klassischen Broilern. Infolgedessen ist es sehr schwierig, sowohl die Eier als auch das Fleisch der Zweinutzungsrassen wirtschaftlich zu vermarkten.

Die Geschlechtsbestimmung im Brutei kann so lange als eine Art Brückentechnologie bezeichnet werden, bis es auf züchterischem Wege gelungen ist, wirtschaftlichere Zweinutzungsrassen zu züchten.